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Am 1. Oktober des Jahres 2008 jährte sich ein großes Jubiläum der PVS Baden-Württemberg e.V.: Die ehemals „Ärztliche Verrechnungsstelle Stuttgart“, ins Leben gerufen von Herrn Dr. med. Dörfler, dem damaligen 1. Vorsitzenden des Württembergischen Ärzteverbandes wurde 85. Jedoch gehört Ihre PVS-BW damit nicht zum „alten Eisen“ – ganz im Gegenteil – wie wir in der Vergangenheit häufig zeigen konnten, gehören wir zu den Pionieren im Bereich der Privatliquidation.

Inflation und Geldentwertung hatten sich nach dem 1. Weltkrieg rapide beschleunigt. Ende 1923 erreichte der gallopierende Preisverfall seinen Höhepunkt mit einer für uns unvorstellbaren Inflationsrate von 105 Millionen Prozent. Zwar wurde die Geldentwertung dann zunächst durch eine neue Währungsordnung, die ‚Rentenmark’ verlangsamt, dennoch verfolgten die damals an verschiedenen Stellen Deutschlands neu entstehenden Privatärztlichen Verrechnungsstellen auch längerfristig, aus guten ökonomischen Gründen, dasselbe Ziel: „den Ärzten rasch und mühelos ein zeit- und standesgemäßes Honorar zu verschaffen, ohne dabei das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient zu stören.“Denn die Ärzte erhielten von ihren Patienten bedingt durch den Preisverfall, meist nur noch einen Bruchteil des ursprünglichen Honoraranspruchs.

Für die weitere Entwicklung Ihrer PVS ist charakteristisch und aussagekräftig, dass sie nach ihrer Verankerung im Vereinsregister 1924 als „Ärztliche Verrechnungsstelle Stuttgart“ bereits im Jahr 1928 in „Ärztliche Verrechnungsstelle Württemberg“ umbenannt werden konnte und nach dem 2. Weltkrieg und der 1949 erfolgten erneuten Vereinsgründung, im Jahr 1956, wiederum umbenannt wurde in „Privatärztliche Verrechnungsstelle Baden-Württemberg“. Dazwischen lag allerdings die „Gleichschaltung“ zu einer Verwaltungsstelle der Reichsärztekammer und am 31.03.1949 die Auflösung der PVS. Ihre Häuser, ihr Personal sowie ihre Forderungen und Verbindlichkeiten wurden von der Reichsärztekammer als Rechtsnachfolgerin übernommen.

So musste die PVS nach dem 2. Weltkrieg in mehrfacher Hinsicht neu anfangen. Der Start erfolgte unter überaus schwierigen wirtschaftlichen und politischen Bedingungen. Es ist sicher ein „Glücksfall“, dass die PVS mit der treuhänderischen Verwaltung der Einnahmen und Ausgaben der so genannten „Sperrärzte“ beauftragt wurde. Auch war die enge Kooperation mit der Ärztekammer Nordwürttemberg und der Kassenärztlichen Vereinigung Nord-Württemberg für die ersten Jahre von großem Vorteil.

1949, am 30. April, erfolgte schließlich der neue Start des selbstständigen Vereins „Privatärztliche Verrechnungsstelle Württemberg“ nachdem dieser drei Jahre lang als Verrechnungsstelle der Ärztekammer Nordwürttemberg unterstellt war. Die schwierige, langwierige Wiederaufbauarbeit nach dem Krieg war vor allem geprägt durch den langjährigen Geschäftsführer Herrn Dr. rer. pol. Theiss und den langjährigen Vorstandsvorsitzenden Herrn Dr. med. Dobler aus Schorndorf. Beide leiteten für viele Jahre gemeinsam die Vereinsgeschicke, Herr Dr. Dobler bis zum Jahr 1965, Herr Dr. Theiss bis 1970. In die Jahre ihres Wirkens fällt auch der Bau eines eigenen Verwaltungsgebäudes in der Felix-Dahn-Str 41 – im Juli 1944 waren die Verwaltungsgebäude im Gänswaldweg zerstört worden – aber auch die Umorganisation der Geschäftsstelle und die Übernahme neuer Aufgabengebiete. Denn nicht nur geographisch, sondern auch inhaltlich hatten sich die Aufgaben der PVS erweitert. Neben die Erstellung und Verrechnung von Arzthonoraren trat mehr und mehr die Beratung der Mitglieder in allen wirtschaftlichen, finanziellen und steuerlichen Fragen. Dadurch wurde die Zusammenarbeit mit unseren Mitgliedern intensiver und vielfältiger. 1952 wurde eine eigene Buch- und Steuerstelle geschaffen, die 1970, nach dem Tod des Geschäftsführers Herrn Dr. Theiss, als eigenständiges Unternehmen geführt wurde und 1985 aus der PVS ausgegliedert wurde.

An die Spitze des Vorstandes wurden 1965 Herr Dr. Dr. med. Osterhage und Herr Dr. med. Wezel als sein Stellvertreter gewählt. 1970 trat Herr Geiger, als neuer Geschäftsführer der PVS, die Nachfolge von Herrn Dr. Theiss an.

Bereits 1972 begann mit dem Einzug der Datenverarbeitung ein neues Zeitalter für unsere Verrechnungsstelle. Die ersten Magnet-Konten-Computer übernahmen die Buchungen der Rechnungen. Es ist heute seit langem selbstverständlich, dass spezielle Programme für das gesamte Rechnungswesen zur Verfügung stehen. Das was Dr. med. Osterhage 1973, anlässlich des 50jährigen Jubiläums, als Ziel formulierte, konnte schrittweise realisiert werden. Nämlich, dass „der gesamte Betrieb in den nächsten Jahren auf volle elektronische Datenverarbeitung umgestellt werden“ solle. Der Magnetkarten Computer wurde sehr bald von Anlagen mit Magnetplatten abgelöst. Disketten-Arbeitsplätze machten die Datenerfassung und Datenspeicherung unabhängig vom Zentralrechner und dadurch das ganze System weniger anfällig gegen Störungen. Ein dialogorientiertes Buchhaltungssystem löste die manuelle Kontenführung ab.

Einen revolutionären Einschnitt bedeutete die Einführung der Praxis-Computer. Privatabrechnung auf Diskette (kurz: PAD) hieß lange Zeit das Zauberwort. Die Datenerfassung wurde dadurch mehr und mehr durch Aufgaben der Sachbearbeitung ersetzt.Bereits seit 1997 können unsere Mitglieder, ‚online’ ihre Daten an uns übertragen oder den Kontostand abfragen, wobei wir auch hier einmal mehr eine zukunftsweisende Vorreiterrolle übernommen haben.

Die PVS-BW gehört im Verband der Privatärztlichen Verrechnungsstellen in Deutschland zu den ältesten, jedoch auch innovativsten Unternehmen ihrer Art. Ihre Entwicklung spiegelt in der Nachkriegszeit auch die Dynamik des bundesrepublikanischen Gesundheitssystems wieder. Die Privatärztlichen Verrechnungsstellen in Deutschland und insbesondere auch wir, verfolgen das Ziel, die Privatliquidation zu sichern und zu stärken, unsere Mitglieder von allen mit der Abrechnung verbundenen Arbeiten zu entlasten und Ihnen bei allen Fragen, Problemen und Anliegen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Dies führte in naher Vergangenheit unter anderem zur Gründung der PVS-Akademie um im Fort- und Weiterbildungen medizinischen Umfeld anzubieten.

Gerade in einem solchen Moment sind wir unbeschreiblich stolz und es ehrt uns und unsere Arbeit, dass einige Mitglieder bereits in der 3. Generation Ihre Privatliquidation durch uns betreuen lassen.

Vielen Dank für Ihr Vertrauen!